Internationaler Lyceum Club Köln – Unsere Geschichte
Der Internationale Lyceum Club Köln blickt auf eine lange Tradition zurück. Zugleich ist er ein lebendiger Ort der Begegnung für Frauen, die sich für Kunst, Literatur, Wissenschaft, gesellschaftliche Fragen und internationale Verständigung interessieren. Offenheit, kulturelle Neugier und die Freude am Austausch prägen unser Clubleben bis heute.
Die Anfänge: Der Kölner Frauenklub
Die Wurzeln unseres Clubs reichen in die frühe Frauenbewegung zurück. Bereits 1902 entstand bei engagierten Kölnerinnen die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem Frauen sich unabhängig von wohltätigen oder religiösen Zwecken begegnen, weiterbilden und vernetzen konnten. Frauen sollten Raum für geistige Anregung, persönliche Entwicklung und gesellschaftlichen Austausch erhalten.
1905 schlossen sich Frauen aus verschiedenen Vereinen, darunter dem Allgemeinen Deutschen Frauenverein, zusammen. Aus diesem Kreis entstand im Januar 1906 der Kölner Frauenklub, aus dem der heutige Internationale Lyceum Club Köln hervorging.
Die ersten Clubräume befanden sich am Neumarkt 18b. Schon im ersten Jahr zählte der Klub mehr als 150 Mitglieder. Das große Interesse zeigte, wie stark das Bedürfnis nach einem eigenen Ort für Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war.
Zu den prägenden Persönlichkeiten der Gründerzeit gehörten unter anderem Elisabeth von Mumm, die sich für Mädchenbildung und die berufliche Förderung von Frauen einsetzte, die Frauenrechtlerin Mathilde von Mevissen, die Künstlerin und Frauenrechtlerin Alexe Altenkirch, Adele Meurer, Vorkämpferin für das Frauenwahlrecht und Mitbegründerin des bis heute bestehenden „Lädchens“, sowie Maria Fremery, eine der ersten Vorsitzenden des Kölner Frauenklubs. Eine besondere Rolle spielte auch Julie von Engelken, geborene Neven DuMont, die den Klub viele Jahre als Präsidentin leitete und ihn international vertrat.
Ein Zentrum der Frauenbewegung
Mit dem raschen Wachstum des Klubs wurden größere Räumlichkeiten benötigt. Bereits 1910 zog der Kölner Frauenklub in das Tongersche Haus am Hof 36 um. Dort entwickelte sich ein lebendiges kulturelles und gesellschaftliches Zentrum.

Mit steigenden Mitgliederzahlen wuchsen auch die Anforderungen an die Infrastruktur. 1929 konnte der Klub eine eigene Immobilie in der Albertusstraße 29 beziehen. Neben den Clubräumen standen dort zwölf Mansardenzimmer zur Verfügung, die alleinstehenden Frauen als Unterkunft angeboten wurden.
Zerstörung und Neubeginn
Die erfolgreiche Entwicklung des Frauenklubs wurde durch die politischen Umbrüche der nationalsozialistischen Zeit beendet. Unabhängige Frauenvereine verloren zunehmend ihre Handlungsmöglichkeiten. Jüdische Mitglieder wurden ausgeschlossen, der Verein gleichgeschaltet und schließlich im Zweiten Weltkrieg aufgelöst. Das Clubhaus wurde zerstört.

Der Club schloss sich der internationalen Gemeinschaft der Lyceum Clubs an und trat fortan als „Kölner Frauenclub Deutscher Lyceum Club e. V.“ auf. Damit wurde die Verbindung zu einem weltweiten Netzwerk kulturell engagierter Frauen hergestellt.
Johanna Hesse verstand es, die Nähe zur damaligen Bundeshauptstadt Bonn zu nutzen. Durch ihre Kontakte zu Botschaften und internationalen Vertretungen gelang es ihr, Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland nach Köln einzuladen und kulturelle Brücken in der Nachkriegszeit zu schlagen. Der Club förderte Musikerinnen, Künstlerinnen und Kulturschaffende und bot ihnen eine Bühne sowie ein interessiertes Publikum.
Das Haus in der Albertusstraße

Zu Ehren der Wiederaufbauerin trägt das Gebäude heute den Namen Johanna-Hesse-Haus.
Die internationale Lyceum-Idee
Der Name „Lyceum Club“ verweist auf eine internationale Bewegung, deren Ursprung in London liegt. Dort gründete die Schriftstellerin, Journalistin und Künstlerin Constance Smedley im Jahr 1903 den ersten Lyceum Club.

Aus dem Londoner Club entstand in kurzer Zeit ein weltweites Netzwerk. Bis heute verbindet der Internationale Verband der Lyceum Clubs Frauen über Ländergrenzen hinweg und fördert Freundschaft, kulturellen Austausch und gegenseitige Unterstützung.
Der Club heute
Der Internationale Lyceum Club Köln steht heute in dieser Tradition und entwickelt sie zugleich weiter. Unser Club ist ein Ort kultureller Neugier, freundschaftlicher Verbundenheit und gesellschaftlichen Engagements.
Lesungen, Vorträge, Konzerte, Ausstellungen und Gesprächsabende schaffen Raum für Begegnung und Austausch. Das Johanna-Hesse-Haus bietet Studentinnen und Stipendiatinnen bezahlbaren Wohnraum. Mit der Förderung des Deutschlandstipendiums unterstützt der Club junge Frauen auf ihrem Bildungsweg.
Ebenso wichtig sind die Zusammenarbeit mit anderen Frauenorganisationen, internationale Kontakte und die Offenheit für neue Ideen und neue Mitglieder.
So verbindet der Internationale Lyceum Club Köln seit mehr als einem Jahrhundert Tradition und Zukunft. Was die Gründerinnen bewegte, gilt bis heute: Frauen zusammenzubringen, Talente zu fördern, Horizonte zu erweitern und durch Kultur, Bildung und Begegnung Brücken zu bauen.
